Welche Formate gibt es, um mein Präsenzseminar zu digitalisieren?

Lesezeit 8Min zzgl. Videos und Links

(C) Pixabay

Eine Frage, die mir aktuell in der Corona-Zeit häufig gestellt wird, ist die, wie man seine Präsenzveranstaltung virtualisieren kann. Da es genauso viele Möglichkeiten von Präsenzveranstaltungen wie Virtualiserungsmöglichkeiten gibt, kann ich hier nur einen Ausschnitt an Möglichkeiten zeigen. Jedoch finde ich es interessant, sich einmal darüber Gedanken zu machen.

Live-Online-Training

oder auch Webinar (auch wenn dieser Ausdruck hier etwas unscharf ist – siehe Blogbeitrag:

Digitales Lernen & Arbeiten),

ist ein gutes Mittel, ein Präsenzseminar oder einen Vortrag zu digitalisieren. In meinem Blogbeitrag:

Wie digitalisiere ich meine Arbeit mit Hilfe eines Videokonferenztools,

gehe ich darauf ein, wie man mit Hilfe einer Software ein Webinar durchführt und ich beschreibe, wie man didaktisch ein Webinar durchführt. Hier nun ein Beispiel, wie ein Webinar aussehen kann:

(c) eaew

Es ist bei einem Live-Online-Training wichtig zu wissen, dass es einen großen Unterschied zwischen einem Live-Vortrag und einem virtuellen Vortrag gibt: bei einem Live-Online-Training muss man viel mehr gegen die Ablenkung der Teilnehmenden ankämpfen als bei einem Präsenzseminar, denn bei jenem sitzen sie ja zu Hause vor dem Bildschirm, wo man gerne etwas abgelenkt ist. Zudem bekommt man keine direkte Rückmeldung, außer man fordert sie digital ein, da man die Teilnehmenden in der Regel nicht wirklich oder gar nicht sieht. Für den Moderatoren kann die Situation anfangs etwas schwierig sein, dass man nämlich einfach vor sich hinerzählt, ohne ein direktes Feedback zu bekommen. Und für die Teilnehmenden ist es wichtig, immer wieder eingebunden zu werden durch sogenannte Aktivierungen. Zum Beispiel sollten sie sich über den Chat beteiligen oder virtuell etwas auf die Folien schreiben etc. Ein Live-Online-Trainig sollte nicht länger als 30-45 Minuten gehen. Wenn man mit Aktivierung und Beteiligungen oder gar Gruppenarbeit das Live-Online-Training bestückt, kann man bis zu max. 90 Minuten online unterrichten. Danach ist eine Pause wichtig.

Web-Meeting „Flipped-Classroom“

Ein exakten Begriff für das, was ich hier beschreibe, gibt es nicht. Es wird weithin als Web-Meeting, Webkonferenz oder als Webinar bezeichnet. Was ich hier meine, ist eine Möglichkeit, um sich virtuell auszutauschen und Fragen zu diskutieren. Wobei hier nicht die Virtualisierung von echten Meetings gemeint ist, sondern die Umsetzung von Web-Meetings im Sinne von Flippet-Classroom im Bildungsbereich. (Bei dem Konzept des Flipped-Classrooms geht es darum, dass Teilnehmer sich ihr Wissen selbst beibringen und der Referent als Wissenmoderator dient und Fragen moderiert oder beantwortet, nicht aber für die Wissenaneignung der Teilnehmer verantwortlich ist.) In manchen Universitäten wird dies derzeit bereits umgesetzt. Es werden asynchron – zum Beispiel über Lern-Management-Systeme wie Moodle oder per Mail zum Beispiel als Lernscript im PDF-Format, oder über eine Homepage – Lerninhalte vermittelt, die jeder Lernende sich selbst aneignen kann. Wenn dann zu diesem Lernstoff Fragen entstehen, können diese in einem Web-Meeting besprochen werden. Die Firma Zoom macht das zum Beispiel, indem sie wöchentlich Web-Meetings mit einem Input über ihre Software starten und danach auf Fragen eingehen. Hier ein Beispiel:

(zoom.us)
Interessant ist das Video ab dem Zeitstempel 12Minuten 17Sec.

Ich will hier keine Werbung für Zoom machen, jedoch zeigt das Video ganz gut, wie man sich so eine Moderation vorstellen kann. Im Bildungsbereich ist es tendenziell so, dass nur ein einzelner Referent die Fragen beantwortet. Dabei können die Fragen sowohl vorher per Mail eingereicht als auch im Chat oder live gestellt werden. Wenn man bei einem Meeting von mehr als 15 Teilnehmenden eine Fragerunde eröffnet, ist es sinnvoll, diese ausschließlich per Chat durchzuführen.

Web-Meeting „Event“

Angenommen, es soll ein Treffen veranstaltet werden, bei dem sich Menschen gemütlich zusammenfinden, die sich normalerweise gemeinsam an Tischen austauschen würden. Dann könnte hier ein teilvirtuelles Treffen interessant sein. Menschen treffen sich dann zu Hause, setzten sich zum Beispiel an einen Tisch, stellen einen Rechner als weitere Person auf den Tisch (so dass die Webcam alle sieht und der Monitor von allen gesehen wird). Andere Tischkreise machen es ebenso und so können sich mehrere Tischkreise virtuell treffen. Das Ganze kann moderiert werden, muss aber nicht zwingend sein. Es gibt in meinem Bekanntenkreis zum Beispiel eine Gruppe Menschen, die auf diese Weise zusammen Spanisch lernen. Ehepaare und Freunde schalten sich so zusammen und lernen gemeinsam. Auch für eine Andacht kann dieses Format gelingen, indem man Gesang und Lesung vorbereitet und die restliche Veranstaltung entsprechend moderiert.

Live-Streaming

Angenommen, es soll eine Veranstaltung oder eine Lernveranstaltung live gesendet werden, dann gibt es die Möglichkeit, über Plattformen wie YouTube oder Vimeo oder andere Streamingdienste, Videos live wie im Fernsehen auf der eigenen Homepage zu übertragen. Hier kann der Aufwand recht klein gehalten werden, indem man einfach ein Smartphone nimmt und mit diesem das entsprechende Bild und Tonmaterial streamt. Man kann es natürlich auch aufwändiger machen, mit mehreren Kameras, Bildmischer, Mikrophonen und zuschaltbaren Computer für Folien. Der Aufwand hängt von der Form und Art der Veranstaltung ab, die virtualisiert werden soll. Beispielsweise wurde auch beim 4. Digitalisierungsforum der Landeskirche Württemberg gestreamt:

Das ist Beispiel für ein sehr aufwändiges Streaming. Aber auch mit weniger Aufwand kann es sehr gut funktionieren.

Lernvideos

Es gibt sehr viele Arten von Lernvideos. Zum Beispiel die beliebten DIY (Do it Yourself) oder Howto Videos. Wie hier im Beispiel:

Ein weiteres Beispiel ist das Explainity. Hierzu gibt es viele Plattformen, die einen bei der Erstellung solcher Filme unterstützen. Hier ein Beispiel:

Dann gibt es die Möglichkeit, ein Feature zu einem Thema zu machen. Ein Feature ist ein gut recherchierter Beitrag zu einem Thema mit bspw. einer Moderation, einem Interview, Statistiken etc. Dies kann für manche Lerninhalte spannend sein, ist aber natürlich auch aufwändig. Hier ein Beispiel der ARD:

Eine einfachere Variante ist ein Podcast, der Elemente aus einem Feature beinhalten kann, etwa ein Interview oder ein Bericht über etwas. Oder aber man stellt als Moderator schlicht ein Thema vor. So wie hier in einem Beitrag der EAEW:

Zudem gibt es die Screencasts. Das sind Filme, bei denen man den eigenen Bildschirm filmt, um etwas zu erklären. So wie zum Beispiel hier, wo man etwas über Moodle-Workplace lernen kann:

Auch kleine Vorstellungsvideos sind denkbar, die entweder als Trailer daherkommen, wie hier ein Werbevideo der MartialArtsAcademy – die hier Werbung machen, dass sie per Zoom Live-Online Trainings anbieten:


Oder ein Beispiel aus dem eigenen Hause:

Wenn Ihr nun überlegt Kurse als Video zur Verfügung stellen, kann ich das nur empfehlen. Es gibt zwar unglaublich gute Angebote auf dem Markt, aber persönlicher für sein eigenes Klinetel wird es, wenn man selbst etwas herstellt. Ich habe hier einmal ein Benchmark zum Thema Gesundheitsvideos: Pur Life ist in Deutschland extrem erfolgreich damit. Heisst aber nicht, das wir für unsere Teilnehmer in etwas abgespeckter Variante nicht ebenfalls etwas anbieten können. Hier das Video von Manuel:

Podcast

Ein Podcast ist eine Art Radiosendung im Web. Jeder kann sie erstellen und man kann sie aus dem Web streamen oder auf einem Gerät speichern und zu einem späteren Zeitpunkt anhören. Auch hier gilt: Es gibt kein spezielles Format, wie ein Podcast auszusehen hat.

Hier ein Beispiel eines Podcasts des Deutschlandfunks, bei dem eine Diskussion zum Anhören eingestellt wurde:

DLF Kontrovers

Als Beispiel könnte man ein Podcast entwerfen, der sich mit der Säkularisierung in den Gemeinden beschäftigt und man sucht sich Diskussionspartner aus den Bereichen Theologie, Jugendarbeit und Sozialarbeit und lässt sie in ihren Gemeinden über das Thema Säkularisierung ca. 45 Min. diskutieren. Benötigt werden dazu ein guter Moderator, drei Mikrophone, eine Audioschnittsoftware, etwas Zeit, ein gutes Konzept und am Anfang jemand, der sich im Bereich Podcasts auskennt.

Es können aber auch Gespräche wie bei einem Interview genutzt werden. Hier ein sehr gutes Beispiel aus dem Bereich Film und Drehbuch:

Stichwort Drehbuch

Diese Art des Podcast ist eigentlich die populärste Art. Entweder indem man jemanden interviewt, oder indem man ein Thema selbst vorstellt.

Hier ist es vorstellbar zu einem Web-Based-Training oder zu einem speziellen Thema, das gerade aktuell ist, einen Referenten zu interviewen und so ein spannenden Podcast herzustellen. Ein Dialog funktioniert in der Regel immer besser bei den Zuhörenden als ein Monolog. Darum sind „geleitete Gespräche“ meist erfolgreicher. Dennoch können auch Monologe, in denen Bildungsinhalte gut und knackig vorgetragen werden, sehr erfolgreich sein. Auch hier ist der Aufwand recht bescheiden. Es werden ein bis zwei Mikrophone benötigt, eine Audioschnittsoftware und ein brillantes Konzept, dazu einen Moderatoren und spannende Themen, die für die Zielgruppe relevant sind. Ich habe dieses Format als Videopodcast bereist eingesetzt und das Ergebnis kam gut an.

Ober es können natürlich auch interessante Hörerlebnisse wie Lesungen, aufwändigere Hörbücher im Stile der 3??? oder ähnliches hergestellt werden. Hier ein Beispiel:

WDR.

Wenn man bspw. in seiner Gemeinde, in der Jugendarbeit oder im Erwachsenenarbeitskreis etwas Besonderes zum Thema ‚Sender‘ machen will, dann könnte es interessant sein, eine Geschichte nachzuvertonen. Das heißt, es gibt verschiedene Sprecherrollen, jemand kümmert sich um den Sound, jemand anderes um Musik und ein Redakteur baut dies zu einem Hörbuch zusammen. Gute Geschichten kann man entweder über entsprechende Verlage kaufen oder selber schreiben. Die besten Geschichten schreiben sowieso das Leben. Der Aufwand ist hier eher groß, da man ein komplexeres Hörerlebnis schafft und ein paar Grundkenntnisse und Fertigkeiten bezüglich Hörbücher haben sollte. Aber solche Formate haben momentan ein sehr hohen Zulauf. Ich habe solche Formate bereits selbst in der Jugendarbeit hergestellt und weiß daher, dass es unglaublich zeitaufwändig ist, aber dass es sich lohnt und es allen Beteiligten unglaublich viel Spaß macht. Damals hatte ich natürlich eine Jugendgruppe um mich herum, das ist in der aktuellen Corona-Zeit etwas schwieriger. Doch mit Hilfe eines Telefons können solche Formate auch asynchron hergestellt werden, indem man sich digital austauscht und jeder seinen Beitrag zum Redakteur per Mail verschickt.

Veröffentlicht werden diese Formate in der Regel über Plattformen wie Soundcloud oder iTunes. Denn dort werden die Formate zum einen gesucht, zum anderen gehostet und man kann sie trotzdem in die eigene Homepage einbinden.

Lern-Management-System

Bei komplexeren Inhalten oder Zertifizierungskursen oder einer größeren Auswahl an digitalen Kursen kann es sinnvoll sein, auf ein Lernmanagement-System wie Moodle zurückzugreifen. Dieses gibt es zum Beispiel über das

Kompetenzzentrum digitales Lernen.

Der Vorteil eines Lernmanagement-Systems liegt darin, dass in der Regel eine Benutzerverwaltung implementiert ist. Das heißt, hierüber können Anmeldungen, Auswertungen, Teilnehmerlisten, Rechnungen etc. verwaltet werden. Innerhalb dieser Plattform können interessante Web-Based-Trainings angeboten werden. Also Angebote, die ausschließlich im Netz stattfinden und von den Teilnehmenden zeit- und ortsunabhängig durchgeführt werden können. Hier ist ein Beispiel, wie so etwas hergestellt und aussehen kann:

Zudem gibt es in einem Kurs, der zum Beispiel in Moodle durchgeführt wird, die Möglichkeit, ein Seminar so zu moderieren, dass Textelemente zum Lesen, Lernscripte per PDF, Videos, Audios, Test, Gruppenarbeiten, Chats und vieles mehr perfekt zu einem großen und gewinnbringenden Kurs zusammengebaut werden. Hochschulen greifen auf diese Art des Unterrichtes bereits seit Langem zurück. In der Erwachsenenbildung kommt diese Art des Lernens auch immer mehr in Mode, speziell im Bereich von Zertifizierungs-Kursen. Jedoch ist es hier sehr wichtig, sich kompetente Partner zu suchen, die einen sowohl didaktisch als auch technisch unterstützten.

MOOC (Massive Open Online Course)

Ein Mooc ist eine Art Vorlesung, die man am Computer ansehen kann, ohne zwingend an einer Universität eingeschrieben zu sein. Hier ist ein gutes Erklärvideo dazu:

Und hier ein Beispiel einer solchen Plattform:

OpenCourseWorld

Und ein Beispiel der österreichischen Kollegen:

EBMOOC Plus


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.